Ein extrem hartes Ultracycling-Rennen sollte der erste Testlauf für mich als Ultracycling-Rookie werden. Der Glocknerman führt über 865 km auf 14.949 Höhenmeter in maximal 55 Stunden nonstop von Graz über die Soboth, Abtei, den Kartitscher Sattel, zum Hochtor und die Edelweißspitze des Großglockners zurück über die Windische Höhe, den Schaidasattel, die Soboth und Kitzeck wieder nach Graz. Ein herausforderndes Unterfangen - diesmal bei extremen Hitzebedingungen von durchgehend 30°C tagsüber.

Die ersten 297 km vom Start um 16:15 Uhr in Graz bis nach Winklern 1 um 04:26 Uhr verliefen extrem geschmeidig. In der Nacht zu fahren ist kein Problem, im Gegenteil: die Temperaturen erlauben eine zügige Trittfrequenz. 40 km später in Kötschach/Mauthern darf ich mich um 6:30 Uhr zu meinem ersten 20-minütigen-Powernap im Racecar hinlegen. Danach geht es 40 km bergauf durch das Lesachtal zum Kartitscher Sattel, den wir um 10:00 Uhr bei steigenden Temperaturen erreichen.

Eine zweite Pause um 10:45 Uhr für 15 Minuten muss reichen, um die 7 km auf den Iselsberg bei Steigungen von 10-12% und sengender Hitze von 30°C zu erklimmen. Mit der Unterstützung meines Teams, das abwechselnd neben mir herläuft, lassen wir den Iselsberg hinter uns und rollen in Winklern 2 um 13:00 Uhr ein. Eine längere planmäßige Pause soll Kraft für den Anstieg nach Heiligenblut und das Hochtor geben.

Und dann läuft es zum ersten Mal anders als geplant: die hohen Temperaturen zehren an den Kräften, die 22 km nach Heiligenblut lassen meinen Kreislauf beinahe kollapieren. Zum Glück entscheidet mein Teamarzt hier richtig und verordnet mir eine Schlafpause von einer vollen Stunde an einem schattigen Plätzchen.

Ohne diese Zwangspause hätten wir den absoluten Höhepunkt dieser Tour vielleicht nicht erreicht. Von Heiligenblut zum Hochtor 1 fahre ich nach einem Radwechsel die 15 km und 1.336 Höhenmeter in 2 Stunden bei super Verfassung und bester Laune. Ankunft: 19:57 Uhr. 8 km, weitere 300 Höhenmeter und 41 Minuten später stehe ich mit meinem Rad auf der Edelweißspitze und darf meine Unterschrift um 20:38 Uhr neben die der anderen Glockner-Bezwinger setzen.

Für die Rückfahrt über Fuschertörl und Hochtor hinunter nach Heiligenblut bis Winklern steige ich wieder auf mein erstes Rad um, allerdings mit einem anderen Sattel, weil ich hoffte, mein Hinterteil dadurch etwas zu entlasten. Ohne zu ahnen, dass dies ein mögliches Kriterium für mein DNF gewesen sein könnte. Die Meldestelle Winklern 3 bestätigen wir um 22:50 Uhr - und hier weichen wir zum zweiten Mal vom Plan ab: die geplante Schlafpause auf der Windischen Höhe verlegen wir vor, zum einen erleichtert über den Glocknersieg, zum anderen weil mir mein Hinterteil plötzlich zu schmerzen beginnt.

Bei der Abfahrt um Mitternacht in Winklern passt schließlich gar nichts mehr: von meiner Hochstimmung vor der Pause ist nichts mehr übrig, der neue Sattel schmerzt höllisch, ich kann nur mehr im Stehen treten, mein Garmin ist nach dem Aufladen verstellt - die Stimmung ist am Nullpunkt. Nach ein paar furchtbar schmerzhaften Kilometern, die ich stehend fahre, fischt mich mein Teamarzt vom Rad für eine Notversorgung der geschundenen Körperstellen - in der Zwischenzeit montiert mein Team wieder den ursprünglichen Sattel. Ich sollte die eingestellte Sattelhöhe ausprobieren, aber bedingt durch den Schlafentzug und die Schmerzen fuhr ich ohne Probieren wieder auf die Strecke. Die Schmerzen waren unerträglich - wie sollte ich die letzten 330 km und ca. 4.000 Höhenmeter im Stehen nach Hause bringen? Unsere Rookie-Ultradistanz beenden wir nach 537 km und rund 9.800 Höhenmetern.

Was nehme ich aus dieser Erfahrung mit? Ich habe die köperliche und mentale Kraft, um eine Ultradistanz mit meinem Team im Rücken zu fahren. Um sie auch zu finishen werden wir eine genaue Rennanalyse durchführen und aus den einzelnen Punkten, die in der Summe zum DNF führten, lernen und sie für das nächste Rennen optimieren. Die Vorbereitung war hinsichtlich Training und Organisation erstklassig - für womöglich ein paar entscheidende Situationen fehlte uns die Erfahrung. Ich bin stolz auf unsere Team-Leistung - das nächste Mal wird gefinished!